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Bose SoundTouch nach der Cloud Abschaltung: was ausgefallen ist, was sich verlangen lässt und was sich tun lässt

Stand:

Am 6. Mai 2026 hat Bose die Server abgeschaltet, an denen die SoundTouch Lautsprecher hingen. Wer eines der Geräte besitzt, kennt das Gefühl: Der Lautsprecher geht an, klingt exakt wie vorher, und trotzdem ist die Hälfte dessen weg, wofür er benutzt wurde.

Diese Seite beschreibt nüchtern, was passiert ist, was bleibt, was sich rechtlich verlangen lässt und welche kostenlosen Projekte die fehlenden Funktionen zurückholen. Auch die, die nicht von mir stammen.

Was ausgefallen ist

Drei Dinge, alle liefen über Server von Bose:

  • Internetradio. Jeder eingerichtete Sender spielt nicht mehr.
  • Die sechs Preset Tasten oben auf dem Gerät. Sie klicken noch. Es passiert nichts.
  • Neue Lautsprecher mit Spotify koppeln. Schon gekoppelte liefen weiter, neue ließen sich nicht mehr hinzufügen.

Dazu kommt, was kein Ausfall ist, aber dazugehört: Firmware 27.0.6 ist die letzte Version, die es je geben wird. Weitere Sicherheits oder Softwareupdates kommen nicht.

Was weiter funktioniert

Mehr, als die meisten erwarten, weil es nie über die Cloud lief:

  • AirPlay
  • Bluetooth
  • Der analoge Aux Eingang
  • Wiedergabe von einem NAS oder Rechner im eigenen Netz
  • Die Bose App selbst, das Einrichten und Gruppieren von Lautsprechern und die Grundfunktionen Abspielen, Pause, Weiter und Lautstärke
  • Der Lautsprecher selbst, Verstärker, Chassis, die Tasten als Hardware

Das ist der Teil, der laut gesagt gehört. An dem Gerät ist nichts kaputt. Ein Server wurde abgeschaltet, und ein Gerät, das einwandfrei funktioniert, hat dadurch seine meistgenutzte Funktion verloren.

Wie es dazu kam

Bose hat das Ende des SoundTouch Cloud Dienstes am 9. Oktober 2025 angekündigt, zunächst für den 18. Februar 2026. Nach öffentlichem Widerspruch wurde der Termin auf den 6. Mai 2026 verschoben, ein letztes App Update für die Funktionen ohne Cloud zugesagt und die SoundTouch API veröffentlicht. Wer ein Gerät besitzt, bekam zusätzlich ein Guthaben beim Kauf neuer Produkte angeboten.

Die veröffentlichte API ist hier der entscheidende Punkt. Bose hat auf unabhängige Entwicklung verwiesen, statt die Plattform geschlossen zu lassen. Selbst gebaut hat Bose nichts, aber die Tür wurde offen gelassen, und mehrere Leute sind hindurchgegangen.

Welche Geräte betroffen sind

Die SoundTouch Reihe lief von 2013 bis 2020 und umfasste mehr, als die meisten erinnern:

ModellTyp
SoundTouch 10kompakter Lautsprecher
SoundTouch 20mittlerer Lautsprecher
SoundTouch 30großer Lautsprecher
SoundTouch 300Soundbar
SoundTouch PortableAkkulautsprecher
Wave SoundTouch, Serie III und IVRadio und CD System
SoundTouch SA-4Verstärker
SoundTouch SA-5Verstärker, oft für Multiroom eingesetzt
CineMate mit SoundTouchHeimkinosystem
SoundTouch Wireless LinkStreaming Adapter für vorhandene Anlagen
Lifestyle mit SoundTouchHeimkinosystem mit SoundTouch Adapter

Bose hat nie Stückzahlen veröffentlicht. Wer eine nennt, rät. Sicher ist: sieben Jahre Laufzeit, neun Modellfamilien, Preise zwischen etwa 200 und 1.000 Euro.

Was sich rechtlich vom Händler verlangen lässt

Vorweg: Ich bin kein Anwalt. Das Folgende ist eine Zusammenfassung dessen, was zum Thema veröffentlicht wurde, keine Rechtsberatung. Wer einen Anspruch durchsetzen möchte, wendet sich damit am besten an eine Verbraucherzentrale oder an eine Anwaltskanzlei.

Vertragspartner ist der Händler, nicht Bose. Das ist der Punkt, an dem die meisten falsch abbiegen. Ansprüche aus dem Kaufvertrag richten sich gegen die Stelle, bei der gekauft wurde. Eine Anfrage bei Bose kann sinnvoll sein, um zu klären, ob eine Abschaltung endgültig ist, sie ersetzt aber die schriftliche Anzeige beim Händler nicht.

Seit der Kaufrechtsreform gibt es Waren mit digitalen Elementen. Das Bürgerliche Gesetzbuch unterscheidet seitdem zwischen klassischen Waren und Geräten, die auf Software oder Cloud Dienste angewiesen sind, geregelt in den §§ 475a bis 475e BGB. Für diese besteht eine Pflicht, die digitalen Funktionen bereitzustellen und zu aktualisieren, mindestens zwei Jahre ab Lieferung. Nach oben ist das offen: wie lange genau, hängt nicht an einer starren Frist, sondern daran, was sich bei dieser Art Gerät vernünftigerweise erwarten lässt. Preis, Produktgattung und übliche Nutzungsdauer spielen dabei eine Rolle, und ein Produkt, das über Jahre verkauft wurde, verlängert den Zeitraum faktisch.

Und hier kommt die unbequeme Nachricht. Diese Regeln gelten für Käufe ab der Reform 2022. Die SoundTouch Reihe wurde von 2013 bis 2020 verkauft. Für die allermeisten Geräte greifen sie deshalb schlicht nicht. Bei einem Kauf aus dem Jahr 2015 besteht gegenüber dem Händler heute in aller Regel kein durchsetzbarer Anspruch mehr.

Bei einem Restexemplar, das nach 2022 gekauft wurde, sieht es besser aus. Dann ist der Wegfall einer zugesagten digitalen Funktion ein Sachmangel. Der Weg dorthin: schriftliche Mängelanzeige beim Händler, Nacherfüllung verlangen. Ist die unmöglich, weil ein Ersatzgerät denselben Mangel hätte, kommt der Rücktritt vom Kaufvertrag in Betracht, also Rückgabe gegen Erstattung.

Zwei Dinge noch. Ein Blick in die Verkaufsbedingungen des Händlers lohnt sich, kürzere Bereitstellungszeiträume dürfen vertraglich vereinbart werden. Und wer das Umtauschguthaben von Bose annimmt, klärt besser vorher, ob damit auf etwas verzichtet wird.

Ausführlich und mit einem Anwalt besprochen steht das Thema bei der c’t:

Für die meisten Betroffenen bleibt am Ende der technische Weg. Der kostet nichts.

Was sich technisch tun lässt

Mehrere unabhängige Projekte holen die fehlenden Funktionen zurück. Keines ist von Bose, keines kostet etwas, und sie gehen unterschiedliche Wege.

Die Unterscheidung, die zählt, ist nicht die Funktionsliste. Es ist die Frage, wo die Software läuft und wie sie dorthin kommt.

Ein Teil der Projekte ersetzt die Bose Cloud durch einen kleinen Server im eigenen Zuhause. Das funktioniert gut, bedeutet aber, dass der Lautsprecher nur spielt, solange dieses zweite Gerät läuft. Wer ohnehin einen Raspberry Pi oder ein NAS rund um die Uhr betreibt, zahlt dafür nichts extra. Wer nicht, hat die Abhängigkeit von Bose gegen eine Kiste im Schrank getauscht. Andere sind eine Telefon App, was zum Stöbern und Abspielen taugt und weniger dann, wenn eine Taste am Lautsprecher auch dann funktionieren soll, wenn das Telefon im anderen Zimmer liegt.

ProjektWo die Software läuftWie sie installiert wirdPreset Tasten
AfterTouchRaspberry Pi, virtueller Server oder der Lautsprecher selbstTerminal, für die Installation auf dem Lautsprecher zusätzlich ein USB StickJa
Better STApp für iPhone und iPad, für die Tasten zusätzlich ein eigener Server im Heimnetzüber den App Store, kostenpflichtigJa, seit Version 2.0 über den mitgelieferten Server
BoSonarAndroid App auf dem Telefonüber den Play StoreJa, plus sechs weitere in der App
BosmanApp auf dem Telefon, iOS und Androidüber den jeweiligen App StoreJa, verwaltet aus der App
SixBackkleiner ESP32 Stick, selbst geflasht, rund fünf Euro HardwareStick flashenJa
SoundCorkServer im eigenen Netznicht dokumentiertnicht dokumentiert
SoundTouch Hybrid 2026Docker auf NAS oder PC, oder als Home Assistant Add onDocker, oder über die Add on VerwaltungJa, zwölf davon per Doppeltipp
SoundTouchPlusin der eigenen Home Assistant Instanzüber HACSnicht dokumentiert
STR (SoundTouch Reborn)auf dem Lautsprecher selbstProgramm für Windows, macOS und Linux, über das NetzwerkJa

Gegen die Dokumentation des jeweiligen Projekts geprüft, Stand August 2026. Diese Projekte bewegen sich schnell, den aktuellen Stand zeigen die verlinkten Seiten. Wer ein eigenes Projekt hier falsch dargestellt sieht, sagt am besten Bescheid, dann wird es korrigiert.

Im Bose Fandom Wiki pflegt die Community außerdem eine eigene Übersicht.

Über STR, weil ich es gebaut habe

Damit das klar ist: Diese Seite gehört zu STR. Entsprechend ist dieser Abschnitt zu lesen.

STR installiert ein kleines Programm in den internen Speicher des Lautsprechers, auf die letzte offizielle Bose Firmware. Danach muss zuhause nichts weiter laufen. Kein Raspberry Pi, kein NAS, kein Hub, kein Konto, kein Abo. Der Lautsprecher startet allein und funktioniert allein, so wie vor 2026.

Was STR von den anderen unterscheidet, ist inzwischen weniger das Wo als das Wie. Auch AfterTouch kann sich auf dem Gerät installieren und ist eine gute Arbeit. Der Unterschied liegt im Weg dorthin: Bei STR genügt ein Klick in einem Programm auf dem eigenen Rechner, es findet den Lautsprecher im Netz und schiebt die Software hinüber. Kein Terminal, keine Kommandos, seit dem letzten Umbau in aller Regel nicht einmal mehr ein USB Stick. Der bleibt nur der Notweg für Geräte, die sich über das Netzwerk nicht erreichen lassen.

Für einen Teil der Geräte ist das der einzige Weg überhaupt. SoundTouch 300, die Wave Systeme, SA-4, SA-5 und die CineMate Systeme lesen beim Starten nie einen USB Stick. Verfahren, die einen Stick zum Aufschließen brauchen, funktionieren dort nicht.

Kurz zur Technik, für alle, die es genauer wissen wollen:

  • Die Wiedergabe läuft über die UPnP Schnittstelle, die die Originalfirmware ohnehin bereitstellt. Es war kein eigener Audioweg nötig.
  • Die Preset Tasten waren der schwierige Teil. Die Firmware meldet Tastendrücke auf einem lokalen Nachrichtenbus, und STR hört dort mit. Ein Druck auf Taste 3 wird komplett auf dem Gerät verarbeitet, ohne dass sonst etwas beteiligt ist.
  • Die Senderdaten kommen vom Radio Browser Projekt.
  • Ein Tastendruck kann zusätzlich einen frei einstellbaren Webhook auslösen. So binden Leute eine Taste am Lautsprecher in Home Assistant oder Node RED ein.

Kostenlos, MIT Lizenz, geschrieben von einer Person in Deutschland als Interoperabilitätsarbeit an eigener Hardware, was Artikel 6 der EU Richtlinie 2009/24/EG erlaubt. Bisher 65.828 Downloads. Es gibt nichts zu kaufen und keine Bezahlversion.

Wer es ausprobieren möchte, findet alles auf der Startseite.

STR steht in keiner Verbindung zu Bose. Bose und SoundTouch sind Marken der Bose Corporation.

Die englische Fassung dieser Seite, ohne den Rechtsteil, steht unter /soundtouch-cloud-shutdown/.

Häufige Fragen

Ist der Lautsprecher kaputt?
Nein. An dem Gerät ist nichts ausgefallen. Ein Dienst, von dem es abhing, wurde abgeschaltet.
Kommt der Dienst zurück?
Nein. Die Abschaltung ist endgültig, weitere Firmware kommt nicht. Version 27.0.6 ist die letzte, die es je geben wird.
Hilft ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen?
Nein. Das löscht die Einstellungen des Lautsprechers, nicht den fehlenden Dienst.
Lässt sich das Geld zurückbekommen?
Nur bei einem Kauf nach der Kaufrechtsreform 2022, und auch dann über den Händler, nicht über Bose. Bei Geräten aus den Jahren davor ist das in aller Regel aussichtslos. Die Einzelheiten stehen weiter oben im Abschnitt zur Rechtslage.
Lässt sich der Lautsprecher ohne all diese Software weiter nutzen?
Ja, über AirPlay, Bluetooth, den Aux Eingang oder von einem NAS im eigenen Netz. Was ohne Hilfe nicht zurückkommt, sind Internetradio und die Preset Tasten.
Ist es unbedenklich, das Gerät im Netzwerk zu lassen?
Es bekommt nie wieder ein Sicherheitsupdate, das gehört dazugesagt. Es lauscht nur im lokalen Netz. Wen das stört, für den gilt der übliche Rat für ältere Netzwerkgeräte: ein eigenes Netzsegment. Das ist unabhängig davon sinnvoll, welches dieser Projekte zum Einsatz kommt, oder keines.
Fallen für irgendetwas davon Kosten an?
Die Projekte selbst sind alle kostenlos nutzbar. Zwei Ausnahmen betreffen nicht die Software: SixBack braucht ein kleines Stück Hardware für wenige Euro, und Bosman bietet ein optionales Abo an, wenn mehrere Lautsprecher gesteuert werden sollen.